Da sich Dickdarmkarzinome in den allermeisten Fallen aus Darm­polypen entwickeln, wird empfohlen, zur Prävention eines Dick­darmkarzinoms ab dem 55. Lebensjahr und dann alle 10 Jahre eine gezielte Suche nach Polypen vorzunehmen. Unsere Röntgenpraxis benutzt dazu neuerdings die Virtuelle Koloskopie mittels Mehrzeilen-Computertomographie. Gerade für Patienten, welche das Koloskop (flexibler endoskopischer Schlauch) scheuen, stellt die Virtuelle CT-Koloskopie eine sinnvolle Alternative dar. Die Aussagekraft beider Verfahren ist insgesamt vergleichbar.
 

                 

Kolon-Übersichten
Klick Vergrößerung
 
 

Die beiden dargestellten Kolon-Übersichten, die im Jahre 2006 in unserer Praxis erzeugt wurden, zeigen die hohe Variabilität des Dickdarms. Während das li. Kolon wahrscheinlich problemlos zu endoskopieren ist, dürfte das re. Kolon wegen der vielen engen Schlingen im Sigma vermutlich einige Probleme bereiten.

Der Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) ist heute in Deutschland der zweithäufigste Krebs, und das sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Kolonkarzinome entwickeln sich fast immer aus gutartigen Schleimhautwucherungen, sog. Polypen. Diese wachsen sehr langsam, bis sich daraus ein Kolonkarzinom entwickelt. Falls es gelingt, diese Polypen rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen, ist die Gefahr eines Kolonkarzinoms so gut wie gebannt.


Zum Nachweis von Kolonpolypen stehen mehrere Verfahren zur Verfügung:

- Kolonkontrasteinlauf

- Koloskopie

- Virtuelle CT-Koloskopie

Der traditionelle (radiologische) Kolonkontrasteinlauf hat in den letzten Jahren gegenüber der konventionellen (internistischen) Koloskopie an Boden verloren, besonders, weil dort in gleicher Sitzung eine Polypenentfernung oder eine Probeexzision bei Karzinomverdacht vorgenommen werden kann. Überlegen ist der Kolonkontrasteinlauf nach wie vor bei entzündlichen Kolonveränderungen, die bei der Passage mit dem Koloskop starke Schmerzen verursachen, oder bei sehr langen and stark geschlängelten Dickdärmen, die das Vorschieben des Koloskops erschweren.


Eine sehr zuverlässige und gleichzeitig schonende Methode stellt die "Virtuelle Koloskopie" mittels Mehrzeilen-CT dar, wobei unserer Röntgenpraxis dafür ein leistungsfähiger 16-Zeilen-Scanner zur Verfügung steht. Die Nachweiswahrscheinlickeit für Polypen steht dabei der einer konventionellen Koloskopie kaum nach; für Polypen > 6 mm ist sie vergleichbar (über 90 %), bei Polypen < 6 mm ist die Virtuelle CT-Koloskopie etwas schlechter (diese kleinen Polypen werden aber in der Regel nicht reseziert). Voraussetzung für die hohe Trefferquote des CT ist, daß eine moderne 3D-Software zur Verfügung steht (was bei unserem CT der Fall ist).

   Ein wesentlicher Nachteil bei der Virtuellen CT-Koloskopie besteht in der Strahlenexposition. Ein großer Vorteil ist, daß im Unterschied zur internistischen Koloskopie (die nur die Innenseite des Dickdarms sieht), gleichzeitig eine Beurteilung des gesamten übrigen Abdomens vorgenommen werden kann.

   Das Argument, bei einem Nachweis von Polypen in der Virtuellen CT-Koloskopie müsse dann doch noch eine konventionelle Koloskopie mit Polypenentfernung vorgenommen werden, trifft sicher zu. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber relativ klein, da nur 30 % der Patienten Polypen besitzen. Außerdem sind von diesen drei Viertel kleiner als 5-6 mm; diese kleinen Polypen besitzen nur eine geringe Entartungsrate, so daß Verlaufskontrollen nach 2-3 Jahren ausreichend sind. Über 90 % der Patienten könnten sich somit das Koloskop ersparen, da nur in weniger als 10 % eine aktuelle Polypenentfernung notwendig wird.

 
Klick mich und ich werde gross...

Polypen in der CT-Koloskopie
Klick Vergrößerung

 


Voraussetzung für eine verwertbare Untersuchung ist ein sauberer Darm. Sie müssen also abführen, das bleibt Ihnen auch bei der Virtuellen CT-Koloskopie nicht erspart. Kommen Sie bitte zwei Tage vorher zu einer Vorbesprechung in unsere Praxis, Sie bekommen dann auch das Abführmittel mitsamt einer Anleitung.

Bei der Untersuchung legen Sie sich auf den CT-Tisch (bringen Sie bitte ein Unterhemd oder T-Shirt mit) und es wird ein dünnes, kurzes Darmrohr eingeführt, über welches Luft in den Darm eingefüllt wird, um diesen zu entfalten. Damit Ihnen das möglichst keine Schmerzen verursacht, erhalten Sie ein Medikament über eine Armvene, welches den Darm entspannt. Anschließend untersuchen wir den Bauchraum einmal in Bauchlage und einmal in Rückenlage, Dauer jeweils ca. 10 Sekunden. Die gesamte Untersuchung dauert nicht langer als 10-15 Minuten, danach können Sie frühstücken gehen. Sie dürfen jedoch eine Stunde lang kein Fahrzeug führen, da das Medikament zur Darmentspannung vorübergehend die Sehschärfe beeinträchtigen kann. Zur Befundbesprechung kommen Sie bitte zwei Tage später nochmals in die Praxis.


Die Untersuchung kostet ca. 600 Euro und ist im Falle einer IGEL-Leistung am Tag der Befundbesprechung direkt in der Praxis zu bezahlen (bar oder EC-Karte). Der Preis ergibt sich nicht nur aus den hohen Kosten des CT-Gerätes, sondern auch aus dem großen Aufwand der Ärzte bei der Auswertung und Nachverarbeitung der Untersuchung, die bereits im Normalfalle eine Stunde in Anspruch nehmen kann, ggf. auch länger.

    Während die Virtuelle CT-Koloskopie von den Privatversicherungen meist übernommen wird, stellt sie für gesetzlich versicherte Patienten keine Kassenleistung dar, sondern muss von diesen als "Individuelle Gesundheitsleistung (IGEL)" selbst bezahlt werden. Die Rechnung kann nicht der Krankenkasse zur Erstattung eingereicht werden.